Hier teile ich meine persönlichen Gedanken, Einsichten und mein Verständnis verschiedenster Themen im Bereich Psychologie und Spiritualität.
Wahre Authentizität
“Authentisch zu sein bedeutet, sich selbst zu sein.”
Eine eigentlich einfache Aussage, welche die meisten Menschen Zeit ihres Lebens nie richtig verstehen.
Mit authentisch Sein meinen wir meistens, dass wir einfach so gelassen und akzeptiert werden wollen, wie wir sind, mit unseren guten Seiten, unseren Macken und unseren… Spezialeffekten. Dies ist aber nur ein Teil der ganzen Geschichte, denn was wir meistens nicht realisieren ist, dass wir unser wahres Selbst mit unserer Persönlichkeit, unserem Ego, verwechseln. (Ich verwende Ego übrigens als neutralen Begriff.)
Als Wesen sind wir wesentlich mehr als nur unser Körper, unsere Gedanken und Gefühle. Dieses Mehr nennen wir zum Beispiel Seele oder wahres Selbst. Dies ist, was wir wirklich sind.
Wenn wir geboren werden, kommt unsere Seele noch sehr rein und authentisch zum Ausdruck.
Während unserer Kindheit lernen wir dann Denkweisen und Verhaltensmuster von unserer Familie und Vorbildern, das heisst, die Art und Weise, wie wir unser wahres Selbst zum Ausdruck bringen, wird zunehmend von den Glaubenssätzen, Wertvorstellungen und Verhaltensweisen der uns umgebenden Menschen und unserer Kultur überlagert und geprägt. Wir lernen auch zu glauben, dass diese Persönlichkeit, die wir entwickeln, das ist, was wir sind, das heisst, wir identifizieren uns zunehmend mit unserem Ego. Und damit machen wir uns unbewusst zu Gefangenen unserer Prägungen.
Eindeutig zum Ausdruck kommt diese Verstrickung mit unserem Ego in Sätzen wie “Ich bin halt nun mal so!”, “Egal, was ich mache, es ist nie gut genug”, oder schlicht im Gefühl, dass ich nicht mein volles Potenzial lebe, dass da mehr in mir steckt (aber ich nicht weiss, was).
Das bedeutet jedoch nicht, dass das Ego etwas Schlechtes ist, das wir loswerden müssen. Im Gegenteil. Das Ego hat eine ganz spezifische Aufgabe, nämlich die, uns die Interaktion mit der physischen Welt und insbesondere anderen Menschen zu ermöglichen. Es ist sozusagen die Rolle, die wir spielen.
Der Knackpunkt liegt nun darin, uns zu erinnern, dass eine Rolle etwas ist, das wir haben, nicht etwas, das wir sind. Am Ende unseres Lebens legen wir diese Rolle wieder ab. Was bleibt, sind die Erfahrungen, die wir als Seele gemacht haben.
Wenn wir also wirklich authentisch sein wollen, müssen wir uns fragen, was wir als Seele in dieser physischen Welt zum Ausdruck bringen wollen, das heisst, wir müssen uns unserer Prägungen bewusst werden. Wir müssen unsere Verhaltensweisen und unsere Gedanken beobachten, denn sie geben Aufschluss darüber, welche Prägungen in Form von Glaubenssätzen und Werten wir mit uns herumtragen. Wenn wir uns unserer Glaubenssätze und Werte bewusst werden, können wir entscheiden, ob sie uns darin dienen, unser wahres Selbst zum Ausdruck zu bringen, also wirklich uns selbst zu sein, oder nicht. Erst wenn wir bewusst eine Wahl treffen, sind wir authentisch. Alles andere hält uns weiterhin als Opfer unserer Prägungen gefangen.
Die Krux mit der Lebeneslektion
Unser Lebenssinn und unsere Lebenslektion sind eng miteinander verwoben. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille, wobei die Lektion den Schattenweg und der Sinn den Lichtweg darstellt.
Solange wir uns unserer Lektion nicht bewusst sind, werden wir sie wiederholen. Für den unbewussten Menschen entsteht so der Eindruck, sich im Kreis zu drehen und Gedanken wie „Warum passiert mir ständig das gleiche?“ sind ein regelmässiger Gast, frei nach dem Motto: "Gleicher Sch..., anderer Tag."
Die meisten Menschen resignieren schliesslich und glauben, dass die Lektion darin bestand, zu lernen, hart, zäh, misstrauisch oder allein und ohne einen geliebten Partner zu sein.
Genau an diesem Punkt machen die meisten Menschen den verständlichen, aber lähmenden Fehler:
Sie hören auf zu lernen. Sie geben auf halber Strecke der Lektion auf, weil sie denken, dass die Krise, die in ihrem Leben passiert ist, und das, was notwendig war, um sie durchzustehen, alles war. Die gesamte Lernreise.
Nein!
Die Lektion besteht nämlich aus zwei Teilen: etwas zu verlieren und es in transformierter Form wiederzuerlangen.
Die meisten Menschen fühlen sich nach einem Verlust machtlos und entwickeln Krücken, um weiterzumachen. Die Krücken sind unsere emotionalen und mentalen Überlebensmuster, auch bekannt als unser Ego.
Auf unserer weiteren Reise wenden wir diese Muster immer wieder an und verfeinern sie, wenn wir in eine Krisensituation geraten.
Normalerweise funktionieren sie gut genug, aber sie machen nie das wett, was wir verloren haben und wiedergewinnen sollen:
Vertrauen, Akzeptanz, Verbindung, Liebe, Freude, Selbstwert, Integrität usw.
Deshalb stossen wir immer wieder auf Situationen, die uns die Chance bieten, unsere Macht zu ergreifen und unseren Modus Operandi von ego-gesteuert zurück zu seelen-geführt zu ändern. Mit anderen Worten:
"Weg mit den Krücken - selber laufen!"
Auf der praktischen Ebene bedeutet dies, dass wir unsere inneren Wunden heilen und unser Ego transformieren müssen. In diesem Heilungsprozess finden wir den verlorenen Schatz, der in unseren Mustern verborgen war.
Durch die Erfahrung, hilflos zu sein, lernen wir unsere innere Stärke kennen, durch Verlust Verbindung, durch Schmerz Vergebung, durch people pleasing (anderen gefallen) unseren Selbstwert.
Je mehr wir uns auf die geheilte Version statt auf die Wunde konzentrieren, desto mehr heilen wir tatsächlich und desto besser gelingt es uns, unser Leben aus einer Haltung der Liebe und der Fülle heraus zu leben, anstatt aus einer Haltung des Mangels und der Angst.
Das Verständnis unserer Lebenslektion kann uns sehr dabei helfen, Herausforderungen mit mehr Leichtigkeit und Geduld zu meistern und ein glücklicheres, freudigeres und entspannteres Leben zu führen.
Ganz zu schweigen davon, dass wir innere Schätze entdecken können, von denen wir nicht einmal wussten, dass sie da sind! Ein Teil des Zugangs zu unserem vollen Potenzial! Wir brauchen lediglich den Mut, uns auf die Reise in unsere eigenen Schatten zu begeben.
Vom Selbst zum Ego und zurück
Wenn unsere Seele für eine menschliche Erfahrung inkarniert, hält sie immer eine Verbindung zu den nicht inkarnierten Teilen unseres riesigen spirituellen Wesens aufrecht durch das, was ich das Selbst nenne.
Das Selbst ist wie eine Spiegelung oder eine heruntergestimmte Version unseres Höheren Selbst, die in unserem physischen Körper wohnt und selbst keine Eigenschaften hat. Das Selbst ist reines Bewusstsein.
Damit wir als Seele diese physische Realität wirklich erleben und mit ihr interagieren können, brauchen wir nicht nur einen Körper, sondern auch ein entsprechendes Programm, sozusagen die Software zu unserer Hardware.
Das ist unsere menschliche Persönlichkeit, unser Ego.
Wenn wir geboren werden, sind wir, mit einigen Ausnahmen wie Menschen, die ein pränatales Trauma erlitten haben, ein unbeschriebenes Blatt, und die Reinheit und Liebe unserer Seele, leuchtet noch durch unsere physische Erscheinung.
Während wir aufwachsen, entwickeln wir unser inneres Programm, das vor allem in den ersten sieben Jahren ein Kopieren der Muster unserer Eltern und Vorbilder ist, und daraus entwickeln wir unsere eigenen Muster, um Schmerz zu vermeiden, Vergnügen zu finden und unsere Bedürfnisse zu decken.
Je älter wir werden, desto mehr verschwindet unser Selbst hinter einem Schleier des Vergessens. Mit der Zeit fügen wir unserer Grundprogrammierung unsere eigenen individuellen Varianten und “Add-ons” hinzu.
In unseren 20ern ist diese erste Phase der Persönlichkeitsbildung in der Regel abgeschlossen und wir sind bereit für die zweite Phase. Dann glauben wir endlich zu wissen, wer wir sind, und gewöhnen uns an unsere Persönlichkeit, an unser Programm. Wir haben unsere Routinen als menschliche Individuen mehrheitlich eingerichtet, arbeiten an unserem weltlichen Erfolg, wie z.B. einer beruflichen Karriere, ein Haus zu kaufen, eine Familie zu gründen, usw.
Der Fokus liegt auf unserer äusseren physischen Welt, wo wir unseren Sweet Spot, unseren sicheren Hafen, finden oder erschaffen.
Manche Menschen bleiben für den Rest ihres Lebens in dieser Phase. Andere gehen schließlich zu Phase 3 über.
Phase 3 ist der Zeitpunkt, an dem unser Leben anfängt, sich schal anzufühlen und die Freude über unseren weltlichen Erfolg zu verblassen beginnt. Wir bekommen das Gefühl, dass es mehr im Leben geben muss als das, was wir gerade erleben, und wir beginnen zu suchen.
Während es in Phase 1und 2 darum geht, sich an die physische Realität anzupassen und in ihr zu leben, geht es in Phase 3 darum, uns daran zu erinnern, wer wir wirklich sind. Es ist die Phase, in der wir wieder nach unserem wahren Selbst suchen und uns unserer Programmierung bewusst werden.
Dann erkennen wir in der Regel, dass wir die Wahl haben, entweder so zu bleiben, wie und wo wir sind, oder zu Phase 4 überzugehen, der Transformation, der Umprogrammierung unserer Muster, insbesondere der ungesunden.
Dies bedeutet in der Regel, dass wir uns unserer Vergangenheit stellen, uns in unsere eigenen tiefsten Schatten wagen und alte Wunden heilen müssen. Eine Aufgabe, vor der viele zurückschrecken, da es oft sehr viel Mut erfordert, sich selbst zu stellen.
Und in der letzten Phase, der fünften, geht es darum, all diese Teile, sowohl die transformierte weltliche Persönlichkeit als auch das wiederentdeckte Selbst, in unseren Alltag zu integrieren, uns selbst weiter zu erforschen und ein Selbst-bestimmtes Leben anstelle eines Ego-basierten zu führen.
Zu guter Letzt bleibt noch zu sage, dass diese Phasen, obwohl sie hier in einer logischen Reihenfolge angeordnet sind, keineswegs feste Schritte sind, die strikt nacheinander folgen. Sie gehen alle fließend ineinander über, und in der Regel existieren mehrere Phasen gleichzeitig in uns, denn ein Aspekt von uns ist vielleicht schon gut entwickelt und ausgereift, während ein anderer noch im Wachstum begriffen ist oder sogar darauf wartet, entdeckt zu werden.
Der Trick besteht darin, herauszufinden, in welcher Phase sich ein bestimmter Aspekt, den wir gerade betrachten, befindet, um uns zu helfen, den nächsten Schritt zu verstehen, den wir unternehmen müssen, um aktiv zu gestalten, wer wir wirklich sein wollen, was unsere Seele für sich in Form von uns vorgesehen hat zu sein.